In der neuen Fassung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel werden vor allem Details zum richtigen Lüften nachgeliefert.

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel wurde überarbeitet

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel überarbeitet. Die Änderungen betreffen vor allem die Vorgaben zum Lüften, den Einsatz von Raumlufttechnischen Anlagen und von mobilen Geräten wie Heizstrahler und Luftreiniger.

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel wurde im August 2020 im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) veröffentlicht und trat damit in Kraft. Sie enthalt Vorgaben zum richtigen Lüften in der Corona-Pandemie. Einige Aussagen zur Lüftung waren knapp formuliert und vermieden technische Details. Diese wurden in der Neufassung nun nachgereicht.

Wann muss gelüftet werden?

SARS-CoV-2 kann durch Aerosole übertragen werden. Sind mehrere Personen in einem Raum, besteht bei einem längeren Aufenthalt die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des SARS-Coronavirus.

Messung der CO2-Konzentration

Woran lässt sich nun feststellen, dass die Raumluft möglicherweise mit SARS-CoV-2-Aerosolen belastet sein könnte? In der überarbeiteten Fassung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel wird klargestellt, dass es keine Messgeräte gibt, die eine Aerosolbelastung durch SARS-CoV-2 anzeigen. Verwiesen wird stattdessen auf den allgemein gängigen Indikator für die Qualität von Innenraumluft, die CO2-Konzentration.

Ziel der Lüftung: weniger als 100ppm CO2 in der Innenraumluft

Die Technische Regel für Arbeitsstätten Lüftung ASR A3.6 nennt eine CO2-Konzentration bis zu 1.000 ppm noch akzeptabel. Nach der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel soll in der Zeit der Corona-Pandemie dieser Wert möglichst unterschreiten werden.

Nachweis mit CO2-Ampel oder Lüftungsrechner

Der Nachweis, wie hoch die CO2-Konzentration respektive die mögliche Aerosol-Belastung in einem Innenraum ist, kann entweder mit Geräten wie sogenannten CO2 Ampeln erfolgen oder er kann berechnet werden. Parameter sind Raumvolumen, Personenbelegung, körperlicher Aktivität und Luftwechsel. Unterstützung bietet der Lüftungsrechner der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN). Er ist digital und in Papierform als Drehscheibe verfügbar. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bietet eine CO2-App dafür an.

„Fenster auf“ ist für nach der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel die einfachste Lösung

Da die meisten Räume Fenster haben, erscheint es als die einfachste Lösung, eine möglicherweise mit SARS-CoV-2-Aerosolen belastete Innenraumluft auszutauschen, die Fenster zu öffnen. Diese einfache Lösung empfahl bisher bereits die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel. Nun haben die Arbeitsschützer noch ein paar Hinweise auf die Lüftungsdauer untergebracht:

Bei der Festlegung der Lüftungsdauer sind die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen sowie der vorherrschende Winddruck zu berücksichtigen.

Entwurf SARS-CoV-2-Arbeitschutzregel

Im Sommer mehr als 10, im Winter mehr als 3 Minuten lüften

Im Sommer sollen 10 Minuten und im Winter 3 Minuten Lüftungsdauer nicht unterschritten werden. Eine kontinuierliche Lüftung über gekippte Fenster kann als Ergänzung zur Stoßlüftung sinnvoll sein, um ein zu starkes Ansteigen einer möglichen Konzentration virenbelasteter Aerosole in der Raumluft zu vermeiden.

In der ASR A3.6 findet unter sich Punkt 5 „Freie Lüftung“ eine Beispielberechnung für Mindestöffnungsflächen bei Stoß- und bei kontinuierlicher Lüftung.

Raumlufttechnische (RLT)-Anlagen

Eine andere Möglichkeit, Innenräume mit Außenluft zu versorgen sind Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen), sofern sie Außenluft zuführen. In der überarbeiteten Fassung steht nun ein Hinweis, der bereits in diesem Blog nach

Für raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) ist das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 als gering einzustufen, sofern diese Anlagen sachgerecht eingerichtet, betrieben und instandgehalten werden (Reinigung, Filterwechsel usw.).

1. dem Raum einen ausreichend hohen Außenluftanteil zuführen, sodass die Anforderungen an die CO2-Konzentration der Raumluft gemäß Absatz 3 eingehalten werden oder

2. anderenfalls über geeignete Filter oder andere Einrichtungen zur Verringerung einer möglichen Virenkonzentration aus der Umluft verfügen.

HEPA 13 und 14-Filter können meist nicht einfach nachgerüstet werden

Bisher stand in der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel lediglich, dass Schwebstofffilter der Klasse H13 oder H14 (HEPA-Filter) nach DIN EN 1822-1:2019 verwendet werden könnten, um Umluft in RLT ohne ausreichende Außenluftzufuhr zu reinigen. Das Problem ist, dass HEPA 13 und 14-Filter nicht in jeder RLT-Anlage eingebaut werden können.

Feinstaubfilter sind nur bedingt eine bessere Lösung

Hinzugefügt wurde nun der Hinweis auf die mögliche Verwendung von Feinstaubfilter der Gruppe ISO ePM1 > 70 % (vormals F8) oder ISO ePM1 > 80 % (vormals F9).

Feinstaubfilter haben bei Partikelgröße von Viren nicht die gleiche Filterleistung

Feinstaubfilter haben allerdings nicht die gleiche Filterleistung bei Viren und Bakterien. Ihre Abscheideeffizienz ist geringer als bei HEPA-Filtern der Klasse 13 und 14 mit Abscheideleistungen von bis 99,99 %. Die geringere Abscheideeffizienz muss in einer Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden und ggf. zu weiteren Maßnahmen führen.

Alternativ – darauf geht die überarbeitete SARS-CoV-2-Arbeitschutzregel nicht ein – reduzieren Feinstaubfilter der Filterklasse ePM1 ≥ 60 % (früher F7) in einer doppelten Filterung luftgetragene Viren und Bakterien um bis zu 99 %.

Nachrüstung nur durch Fachunternehmen

In jedem Fall sollte die Nachrüstung durch ein Fachunternehmen erfolgen. Die überarbeitete SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel weist auf mögliche Probleme der Nachrüstung hin:

Dabei ist zu beachten, dass sich die Anlagenparameter durch den Einbau von zusätzlichen Einrichtungen ändern können. Insbesondere kann sich der Luftvolumenstrom durch den erhöhten Druckverlust eines Filters verringern.

Vorabversion der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

Mobile Ventilatoren, Heizlüfter, Klimageräte

In der überarbeiteten Fassung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ist der Einsatz von sogenannten Sekundärluftgeräten (mobile Ventilatoren, Heizlüfter etc.) präziser formuliert. Bisher waren Sekundärluftgeräte ohne Luftaustausch mit der Außenluft „in der Regel“ nur zulässig bei Einzelbelegung. Nun wird das eigentliche Problem benannt. Vor dem Einsatz von Ventilatoren, Heizlüftern etc. in Räumen mit Mehrpersonenbelegung muss eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Dabei sind die spezifischen Bedingungen wie Raumgeometrie, Arbeitsplatzanordnung, Gerätestandort und die Strömungsverhältnisse der Raumluft zu beachten. Das ist insofern schlüssig, als es bei einer Einzelbelegung nicht so relevant ist, wo die luftstromlenkende Wirkung dieser Geräte ggf. virenbelastete Tröpfchen oder Aerosole hinleitet. Das ist selbstverständlich anders, wenn mehrere Personen anwesend sind.

Technische Regeln für Arbeitsschutz berücksichtigen

Beim Einsatz von Sekundärluftgeräten müssen auch die Technischen Regeln für Arbeitssicherheit ASR A3.6 „Lüftung“ (mögliche Zugluft), ASR A3.7 „Lärm“ (Hintergrundgeräusche durch die Ventilatoren, Heizlüfter etc.) und ASR A3.5 „Raumtemperatur“ (z. B. Vermeidung der sommerlichen Überwärmung von Räumen) berücksichtigt werden.

Einsatz von mobilen Luftreinigern

Mobile Raumluftreiniger erscheinen für alle, die Präsenzveranstaltungen anbieten als ideale Lösung. Wenn diese Geräte die Raumluft von möglichen mit SARS-CoV-2 kontaminierten Aerosolen befreien können, dann lassen sich Besprechungen oder auch eine Unterrichtseinheit mit nur wenigen weiteren Schutzmaßnahmen bei geringem Risiko einer Ansteckung abhalten. Tatsächlich werden beim Kauf und bei der Bereitstellung mobiler Luftreinigungsgeräte immer wieder Fehler gemacht. Möglicherweise wurde vor diesem Hintergrund ein neuer Absatz in die SARS-CoV-Arbeitsschutzregel eingefügt.

Bedingungen für den Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten

Demnach ist der Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten nur möglich unter folgenden Bedingungen:

  • Mobile Luftreinigungsgeräte dürfen nur ergänzend zu den Lüftungsmaßnahmen der SARS-CoV-Arbeitsschutzregel eingesetzt werden.
  • Leistungsdaten, spezifischen Randbedingungen wie eine sachgerechte Aufstellung müssen berücksichtigt werden.
  • Ein sachgerechter Betrieb und eine sachgerechte Instandhaltung (Reinigung, Filterwechsel usw.) müssen gewährleistet werden.
  • Die Geräte müssen mit geeigneten Filtern ausgerüstet sein.
  • Die Geräte dürfen keine gesundheitsgefährdenden Stoffe oder Reaktionsprodukte freisetzen.

Gefährdungsbeurteilung für mobile Luftreinigungsgeräte

Diese Bedingungen müssen ohnehin in der zwingend notwendigen Gefährdungsbeurteilung für mobile Luftreinigungsgeräte berücksichtigt werden.

Rechtscharakter der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ist eine technische Regel, die unter Koordination der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gemeinsam von den Arbeitsschutzausschüssen beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) erstellt wurde. Sie konkretisiert die Anforderungen an den Arbeitsschutz für den Zeitraum der epidemischen Lage von nationaler Tragweite gemäß § 5 Infektionsschutzgesetz.

Bei Einhaltung der Vorgaben der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel verhält sich der Arbeitgeber rechtskonform

Bei Einhaltung der Vorgaben der SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass er sich rechtskonform verhält. Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen. Andere Lösungen können bei abweichenden Rechtsvorschriften der Länder zum Schutz der Beschäftigten vorrangig in Betracht kommen.

Gleichwertige oder strengere Regeln, z. B. aus der Biostoffverordnung oder aus dem Bereich des Infektionsschutzes, müssen jedoch weiterhin beachtet werden.

Gültigkeit der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

Die SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel gilt für den Zeitraum der “epidemischen Lage von nationaler Tragweite” gemäß § 5 Infektionsschutzgesetz (IfSG). Somit ist die Arbeitsschutzregel solange in Kraft, bis der Bundestag diese Lage wieder aufhebt. Am 25. März 2020 hatte der Bundestag die “epidemische Lage von nationaler Tragweite” festgestellt. 

Download

Die Vorabversion der überarbeiteten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel können Sie sich hier herunterladen.

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