Covid 19 wird wohl auch durch Aerosole übertragen. HEPA-Filter können für saubere Luft sorgen. Worauf ist bei ihrem Einsatz gegen SARS-CoV-2 zu achten

Luftreinigung in der Corona-Pandemie

In Räumen von Arbeitsstätten muss ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein (siehe Anhang Nummer 3.6 (1) ArbStättV). Während der Covid-19-Pandemie könnte es schwierig sein, diese Vorgabe immer zu erfüllen. Aerosole mit Viren könnten die Atemluft belasten und zu einer Infektion führen. Die SARS-CoV-Arbeitsschutzregel fordert daher zu lüften und wenn möglich nur Raumlufttechnische Anlagen zu benutzen, die über einen ausreichende Filterung verfügen. Eine weitere, ergänzende Möglichkeit für Innenräume, die nicht einfach oder nicht vollständig belüftet werden können oder die über keine Raumlufttechnische Anlagen verfügen oder in denen eine sehr hohe Anzahl von Personen auf engem Raum zu erwarten ist, sind Luftreinigungsgeräte.

Wer Luftreinigungsgeräte heutzutage auswählen möchte, hat viele Möglichkeiten. Im Folgenden eine Übersicht über die wichtigsten Techniken.

Feinstofffiltertechnik (HEPA)

Am verbreitetsten sind Luftreinigungssysteme mit HEPA-Filtern (HEPA steht für High Efficiency Particulate Air). Es gibt sie mit verschiedenen Filterleistungen. Wer Viren wie SARS-CoV-2 mit einem Durchmesser von 80-160 nm vollständig aus der Raumluft herausfiltern möchte, muss mindestens Schwebstofffilter der Filterklasse HEPA 13 verwenden.

HEPA-Filter können in mobilen Raumluftreinigern wie auch in Raumlufttechnischen Anlagen verwendet werden.

Bei der Beschaffung auf die Prüfnorm DIN EN 1822-1 achten

Der Nachweis, ob die Filter wirklich die von den Herstellern angepriesene Filterleistung erbringen, kann über die Produktprüfung durch die DIN EN 1822-1 erbracht werden. Daher sollten nur solche Filter beschafft werden, die dieser Prüfnorm entsprechen.

Vorsicht bei Nachrüstungen

HEPA-13 oder -14-Filter haben einen höheren Filterwiderstand. Wer seine Raumlufttechnische Anlagen (RLT) in Zeiten von Covid-19 nachrüsten möchte, sollte das beachten. Die RLT muss für diese Filter ausgelegt sein.

Upgrade der Staubfilter nur zweitbeste Lösung

Eine Alternative scheint das Upgrade der Staubfilter in Raumlufttechnischen Anlagen zu sein. Zum Beispiel könnten Filter der Klasse ISO ePM1 80% (F9 nach EN779) statt Filter ISO ePM1 70%. (F7) eingesetzt werden. Aber die Abscheideeffizienz ist auch bei ISO ePM1 80% deutlich geringer als bei HEPA-Filtern mit Abscheideleistungen von bis 99,99 %. Falls das Upgrade die einzig mögliche technische Maßnahme sein sollte, muss die geringere Abscheideeffizienz in einer Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden und ggf. zu weiteren Maßnahmen führen.

Qualifikationen, Nachweise bei Fremdvergabe

Derjenige, der die Filter wechselt, muss über eine entsprechende Qualifikation verfügen, z. B. gemäß VDI 6022 Kategorie B. Die Wartungsintervalle sind einzuhalten. Bei der Fremdvergabe der Nachrüstung oder des Filterwechsels sind entsprechende Nachweise über die Qualifizierung des eingesetzten Personals abzufragen und zu dokumentieren.

Zusammenfassung

Systeme mit HEPA-Filtern filtern zuverlässig Viren aus der Innenraumluft. Man muss sich aber nur sehr genau ansehen wie und wo sie eingesetzt werden. Das Austauschen dieser Filter ist nicht einfach, das ist sachgerecht, unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen von Fachpersonal durchzuführen. Auch Kosten diese Filter, vor allem derzeit, relativ viel Geld.

UV-C- Licht Technologie

Ein von der Öffentlichkeit derzeit zu wenig beachtetes, aber altbewährtes und hocheffizientes System ist die Luftreinigung durch UV-C-Strahlen mit einem Spektrum zwischen 280 und 100 Nanometern (nm) Wellenlänge zur Abtötung von Viren, Keimen und Bakterien.

Auch UV-C-Licht hat einen Schatten

UV-C-Strahlen werden vor allem zur Entkeimung und Desinfektion von Oberflächen verwendet, wobei klar sein sollte, dass auch dieses Licht einen Schatten hat, das heißt die dem UV-C-Strahlen abgewandte Seiten werden nicht desinfiziert. Wird etwa mit einer handgeführten UV-C-Lampe nur der obere Teil eines Griffes bestrahlt, ist der untere weiterhin potenziell mit Viren oder Bakterien belastet.

Luftdesinfektionssysteme mit UV-C-Licht

Vergleichsweise neu sind geschlossene Luftdesinfektionssysteme, in denen Raumluft angesaugt wird, in einem geschlossenen Gehäuse UV-C-Strahlen ausgesetzt wird und anschließend wieder in den Raum abgeben wird.

Kein Ozon bei modernen UV-C-Systemen

Es gibt leider immer wieder nicht auf dem Stand der Technik stehende Experten, die der irrigen Ansicht sind das mit solchen Systemen Ozon freigesetzt wird. Das ist, wenn man moderne UV-C-Lampen verwendet nicht mehr der Fall.

UV-C-Licht zur Oberflächendesinfektion

Der Einsatz von UV-C-Lampen zu Desinfektion von Oberflächen in Räumen ohne Personen und in solchen, zu denen der Zugang kontrolliert werden kann, ist bei Einhaltung der organisatorischen Vorsichtsmaßnahmen (Zugangskontrolle, geschultes Personal) sicher und gängige Praxis. Bei der Beschaffung von UV-C-Lampen sind die Herstellerangaben wichtig, wie lange und aus welchem Abstand bestrahlt werden muss, um aktive Mikroorganismen tatsächlich unschädlich zu machen.

Luftdesinfektionssysteme mit UV-C-Strahlen: Geschlossenes Gehäuse entscheidend

Bei geschlossenen Luftdesinfektionssysteme mit UV-C-Strahlen ist für die Sicherheit ein stabiles und gut geschlossenes Gehäuse entscheidend, das nachweislich verhindert, dass UV-C-Strahlen nach außen dringen können. Darauf ist auch bei der Beschaffung zu achten. Auch sollten Herstellerinformationen zu den Wellenlängen und zur Bestrahlungsstärke vorhanden sein

Einsatz von Luftdesinfektionssysteme mit UV-C-Strahlen abhängig von Luftreinigungskapazität

Der Einsatz und die Wahl von UV-C-Lampen zur Luftreinigung hängt von der Kapazität ab: Wie viel Raumluft kann von dem Gerät angesaugt und gereinigt werden? Wo kann das Gerät montiert werden? Welche Luftströmungsbedinungen herrschen in dem Innenraum?

Gefährdungsbeurteilung erstellen oder aktualisieren

Vor dem ersten Einsatz von UV-C-Lampen zu Luftreinigung oder zu Desinfektion von Oberflächen sind die bestehenden Gefährdungsbeurteilungen zu aktualisieren bzw. neue zu erstellen. In ihnen sollten auch die Wartungsintervalle der UV-C-Lampen-Systeme festgelegt werden.

Evaporation (Oberflächenverdunstung)

Eine weitere Möglichkeit ist die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit in Räume. Dadurch sinken die Viren, welche an den Aerosolen haften, durch die erhöhte Schwere mittels Erdanziehung nach unten und schweben nicht mehr mitunter stundenlang im Raum. Diese Möglichkeit muss immer mit einer hinreichenden Raumlüftung in Kombination verwendet werden, um einer möglichen Schimmelbildung vorzubeugen.

Dieses System ist weniger wirksam als ein Reinigungssystem mit HEPA-Filtern oder mit UV-C-Licht, dafür aber kostengünstiger. Zusätzlich aber auch eine interessante Möglichkeit nicht nur Viren, sondern auch mögliche Schwebstoffe z. B. in einer Halle zu binden.

Elektrofilter

Eine weitere Möglichkeit sind Elektrofilter. Diese werden bevorzugt im Einbau verwendet, sind also langfristigere und in der Anschaffung kostenintensivere Luftreinigungssysteme. Sie werden teilweise auch in Kombination mit einem UV-C-Licht genutzt. Auch diese Technologie ist hilfreich gegen Viren und Bakterien, wichtig ist immer zu klären ob es zu einer Freisetzung von Ozon kommen kann bzw. welche technische Maßnahmen den Austritt von Ozon verhindern.

Plasmatechnologie

Ionisatoren werden als Luftreiniger ebenfalls gegen Pollen eingesetzt. Sie erzeugen durch elektrische Spannung unter anderem negativ geladene Sauerstoffionen, welche sich in der Raumluft mit positiv geladenen Schmutzpartikeln wie Pollen zu größeren Clustern verbinden. Diese sinken durch die Schwerkraft zu Boden. Hier kann allerdings die Entstehung von Ozon nicht ausgeschlossen werden. Bei der Beschaffung von Ionisationsgeräten ist daher zu überprüfen wie der Gerätehersteller die Entstehung und ggf. die Freisetzung von Ozon unterbindet. Bei der notwendigen Gefährdungsbeurteilung für den Einsatz von Ionisationsgeräten muss die mögliche Gefährdung durch die Freisetzung von Ozon berücksichtigt und die technische Lösung des Geräteherstellers um eine Freisetzung zu verhindern, bewertet werden.

Fazit: Keine Lösung von der Stange möglich

Eine Luftreinigung auf der Basis von Ozon, kaltem Plasma, Elektrofiltern oder Ionisation ist nur bedingt zu empfehlen, da unerwünschte Reaktionsprodukte freigesetzt werden könnten. Immer den konkreten Anwendungsfall beachten!

Keine pauschalen Aussagen möglich

Pauschale Aussagen zur Wirksamkeit von Luftreinigungsgeräten sind nicht möglich sind. Neben der Technologie, den gerätespezifischen Kriterien muss auch die Raumgestaltung und –nutzung unbedingt berücksichtigt werden.

Luftreinigung schützt nicht vor Tröpfchen- oder Schmierinfektion

Luftreinigungsgeräte können Schutzmaßnahmen wie Händewaschen oder Abstandhalten nicht ersetzen, da sie keinen Schutz gegenüber Tröpfcheninfektionen wie direktes Anhusten bieten. Auch nicht vergessen: Luftreinigungsgeräte tauschen nicht verbrauchte Luft durch frische Luft aus, solange das Gerät keine explizite Frischluftzufuhr hat.

Kein Plug & Play

Fakt ist, dass es kein Plug und Play bei der Luftreinigung gibt. Es muss immer im Einzelfall entschieden werden und die Grundlage muss eine Gefährdungsbeurteilung sein, denn im Problemfall brauchen die Verantwortlichen eine rechtliche Absicherung ihrer Entscheidung.

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